Ambulantes Hospiz in Corona-Zeiten

28. April 2020

In der HNA  berichtet Ute Lawrenz:

Hospiz an der Lutter setzt seine Arbeit auch während der Corona-Pandemie fort

Göttingen – Dass Menschen liebevoll begleitet sterben, ist das Anliegen im Hospiz an der Lutter. Auch in der schweren Zeit mit Corona setzt sich das Hospiz-Team dafür ein. Der Ehrenamtliche Eckart Zabel hat jetzt einen Menschen auf seinem letzten Weg begleitet. 

Bereits vor dem Kontaktverbot hatte Zabel die Frau kennengelernt. Oft gesehen habe er sie nicht, erzählt er. Bis zum „Lockdown“ habe es nicht lange gedauert. Von da an hieß es telefonieren. „Wir haben uns sehr gut verstanden“, berichtet Eckart Zabel. So hätten die Telefonate manchmal 90 Minuten gedauert.

Neu in Rente hatte Zabel überlegt, wie er seine Zeit sinnvoll füllen könne. Da der Philologe sich schon lange mit Fragen um den Tod beschäftigt habe, entschied er sich für die Unterstützung im Hospiz. Den Befähigungskurs dazu habe er vor einem Jahr abgeschlossen.

Mit Corona gebe es nun auch neue Aufgaben für die Hospizbegleiter, sagt Manuela Brandt-Durlach, Leiterin des ambulanten Hopizes. Auch die Angehörigen brauchten Hilfe. Viele könnten es schwer ertragen, dass sie ihnen nahestehende Menschen in der ihnen verbleibenden Zeit nicht besuchen könnten. Doch Brandt-Durlach hat erfahren: Hospizdienst sei auch am Telefon möglich. „Mit dem Face-to-Face-Kontakt ist es tatsächlich ganz schwierig.“ Denn die Immunabwehr der Patienten sei „extrem geschwächt“.

Für Eckart Zabel und die schwerkranke Frau wurde eine Möglichkeit gefunden. Draußen bekam Zabel seinen Platz für die Treffen. Einmal sei er drei Stunden geblieben. Allerdings habe er in dieser Zeit auch mit den Angehörigen gesprochen.

„Wir müssen sehr kreativ mit der Situation umgehen, sagt Gabriele Carstens vom ambulanten Hopizdienst. „Spaziergänge zu zweit sind mit Abstand möglich.“ Bei jeder Begegnung, auch mit Distanz, müsse der Patient sich des Risikos einer versteckten Infektion bewusst sein. Um das Hospiz mit Schutzmasken zu versorgen, haben Ehrenamtliche einen Vorrat genäht.

Beim ersten Besuch erkundet Carstens, welcher Begleiter passen könnte. Will der zu Betreuende Spaziergänge machen oder möchte er einem Vorleser zuhören. Manch einer habe viel zu erzählen. Dann sei jemand gefragt, der gut zuhören könne. Einige wünschten sich eine Frau, andere wollten ein Stück der verbliebenen Zeit lieber mit einem Mann verbringen. Dass der Begleiter erst fremd ist, sieht Carstens als Vorteil: „Das scheint so ein bisschen Türöffner zu sein für Dinge, mit denen die Familie nicht belastet werden solle.

Wie auch sonst sei das Hospiz jetzt Ansprechpartner, wenn das Leben für jemanden zu Ende gehe „Tagsüber sind wir im Büro erreichbar“, sagt Carstens. Rund um die Uhr sei der Anrufbeantworter eingeschaltet, dort könne man seinen Kontakt hinterlassen. So schnell wie möglich werde zurückgerufen.

Hintergrund: Hospizarbeit lernen

Mit einem Befähigungskurs bereitet das Ambulante Hospiz Interessierte auf die Begleitung von Menschen am Lebensende vor. In der Schulung über acht Monate werden sie zu ehrenamtlichen Mitarbeitern ausgebildet. Neben der persönlichen Auseinandersetzung mit den Themen Verlust, Sterben und Tod werden ihnen grundle–gendes Wissen über Phasenmodelle der Krisenbewältigung vermittelt und Kommunikationsmöglichkeiten dargestellt. Die Hospizbegleiter erhalten die Möglichkeit zu regelmäßiger Supervision. Für weitere Informationen wenden sich Interessierte an Manuela Brandt-Durlach, Telefon: 0551 50343821, E-Mail: ambulantes-hospiz@hospiz-goettingen.de

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