Chronik

Geschichte des Hospizes

Das 1992 gegründete Hospiz an der Lutter hat seine Ursprünge im Diakonissen Mutterhaus Ariel (Zöcklersche Anstalten) und nahm durch das Ambulante Hospiz seine Arbeit auf. Die Diakonissen, durch den Krieg aus ihrer Heimat vertrieben, fanden Anfang der 1950iger Jahre hier in Göttingen im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende eine neue Wirkungsstätte, ein neues Mutterhaus und damit eine neue Heimat. Über die Jahre veränderten sich die Strukturen des Mutter­hauses. Die Diakonissen waren altersbedingt aus der aktiven Arbeit ausgeschieden und hatten sich die Gründung eines Hospizes zur Aufgabe gemacht. Nach sorgfältiger Vorarbeit entstand das Hospiz an der Lutter unter dem Dach des Diakonissen Mutterhauses.

Hier folgen einige Kurzberichte der wichtigsten Ereignisse aus der Vergangenheit. Sie zeigen, wie das Hospiz mit der Geschichte des Evangelischen Krankenhauses in den letzten Jahrzehnten ebenso verwurzelt ist wie mit den Zöcklerschen Anstalten in Galizien, und sie dokumentieren den Glauben des Gründers Theodor Zöckler und seiner Familie an die durch Vermächtnisse und Spenden vermittelte göttliche Hilfe ebenso wie das lebenslange Engagement der Diakonissen des Mutterhauses.

Dies ist "Work in Progress": An den Texten und Bildern wird weiter gearbeitet. Auch planen wir Verlinkungen mit dem digitalen Archiv von Dokumenten des Mutterhauses Ariel und der Zöcklerschen Anstalten, das inzwischen eingerichtet ist (passwortgeschützter Zugang).

Für Hinweise auf Fehler und für Anregungen sind wir dankbar. Verantwortlich: Prof. Dr. Peter Diepold, Mitglied des Vorstandes. peter@diepold.de Göttingen, November 2016


Stationen des Weges: Von Ostgalizien nach Niedersachsen

Galizien in der KuK-MonarchieSommer 1890: Theodor Zöckler (geb. 1867), Student des Alttestamentlers Franz Delitzsch in Leipzig, der ihn für die Missionierung der Juden begeistert, besucht seinen Studienfreund August Wiegand in Stanislau, dem heutigen ukrainischen Iwano-Frankiwsk. Stanislau liegt im Osten des zu Österreich gehörenden Kronlands Galizien und hat etwa 30 Tsd. Einwohner, etwa zur Hälfte jüdischen Glaubens.

Evang. Kirche in Stanislau1891: In Stanislau gibt es eine kleine, absterbende evangelische Diaspora-Gemeinde aus Nachfahren der Galiziendeutschen, die nach 1771 unter Kaiser Franz Joseph aus der Pfalz und Baden eingewandert waren. Zöckler, noch im Dienst einer dänischen Gesellschaft für Judenmission, wird durch den gelehrten Judenchristen Chaijim Jedidjah / Christian Theophilus Lucky mit ihrer Not konfrontiert. "Nehmen Se sich doch erst einmal ihrer eigenen Volksgenossen hier im Osten an, die haben nicht die nötige geistliche Pflege, die verkommen ja. Meinen Sie wirklich, dass mein Volk an Jesum Christum und an das Evangelium glauben kann, wenn es an den evangelischen Christen in diesen Ländern kein wahrhaft christliches Leben sieht?"

Lucky hatte als Jude durch das Studium des Neuen Testaments zum Christus­glauben gefunden, Theologie studiert, als lutherischer Pastor in USA gearbeitet, blieb Zeit seines Lebens Glied seiner jüdischen Gemeinde. Zöcklers Freund und Mitarbeiter Wilfried Lempp beschreibt Lucky in einem seiner Briefe.

Theodor Zöckler um 19201896: Zöcklers Frau Lillie lässt sich von ihrem Bremer Großvater ihre Erbschaft vorzeitig auszahlen. Ein Heim für Kinder in Not wird eingerichet. Die Zöcklerschen Anstalten entstehen.

1898: Eine deutsche Volksschule mit zwei Schulklassen nimmt ihren Lehrbetrieb auf. 1919 gründet Zöckler ein deutsches Gymnasium.

"Ein Christ muss betteln können." In ausgedehnten Kollektenreisen sorgt Zöckler für den Ausbau seiner Anstalten. Ein deutscher Kaufmann erschließt eine ergiebige Erdölquelle in der Region und ermöglicht durch seine Spende den Bau eines modernen Krankenhauses in Stanislau.

1913: Ein Krankenhaus braucht Pflegerinnen: Zöckler gründet das Diakonissen­mutterhaus "Sarepta". Die Zöcklerschen Anstalten werden zum „Bethel des Ostens“. Theodor Zöckler wird zur allgemein anerkannten Führungspersönlichkeit der Galiziendeutschen. Neben der karitativen Arbeit erweist er sich als ein Protagonist der Ökumene, der Kontakte zu anderen Konfessionen und Volksgruppen pflegt.

1914 ff: Weltkrieg und Flucht. Die Armee des zaristischen Russland erobert Stanislau zu Beginn des Krieges; Stanislau wird wiederholt umkämpft. Dreimal muss Zöckler eine Flucht organisieren. Die schlimmste: "Mit 200 Kindern, Alten, Gebrechlichen usw. streckenweise zu Fuß und mit Pferdewagen, musste sich der lange Zug der Flüchtlingen durch die Wälder der Karpaten schlagen." Auch nach Kriegsende bleibt Stanislau zwischen polnischen und ukrainischen Truppen umkämpft.

Galizien nach 19201920 ff: Politische und finanzielle Probleme. Ostgalizien kommt an Polen. Deutsche Schulen sind dem neuen Nationalstaat ein Dorn im Auge. 1924 verliert die Schule sämtliche Schüler jüdischer Herkunft und damit beträchtliches Schulgeld, weil an Konfes­sionsschulen keine Schüler anderer Konfessionen mehr unterrichtet werden dürfen. Die Inflation in Deutsch­land und die Weltwirtschaftskrise machen einen finanziellen Ruin der Zöcklerschen Anstalten wahrscheinlich. Aber Zöckler "ringt sich in seinen Gebeten auch jetzt noch einmal zum 'Dennoch' des Glaubens durch."

28. September 1939: "Heim ins Reich!" Im Geheimen Zusatzprotokoll zum Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt vom 24. August 1939 vereinbaren Hitler und Stalin, Polen zu teilen: Ostgalizien fällt an Russland. Daraufhin besetzt die Rote Armee Ostpolen. Im Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939 wird die Umsiedlung der deutschen Bevölkerungsgruppen aus der sowjetischen Interessensphäre nach Deutschland vereinbart.

25. Dezember 1939: Umsiedlung, Euthanasie. 1.242 Stanislauer Umsiedler werden an die deutsche Grenze gebracht, auf Lager verteilt und später im Warthegau und in Westpreußen "angesiedelt". Die Zöcklerschen Anstalten verlieren für immer ihr Vermögen an Grund und Boden in Galizien. Die Anstalten werden auf Anordnung der Reichsärztekammer getrennt, "ein eigenständiges Weiterbestehen der kirchli­chen Sonderanstalten nicht gebilligt... Es bleibt den Schwestern der Anstalten unbenommen, sich in die große Diakonisssengemeinschaft einzuordnen..."

"Eine Gruppe von 20 alten Männern und geistesschwachen Frauen der Anstalten wurden im Frühjahr mit 3 unserer Schwestern in ein Nebenlager in Gelenau / Erzgebirge verlegt. Die geistesschwachen Frauen wurden im Juni, als es zur Ansiedlung ging, von Pirna aus, auf Anordnung der Lagerleitung, in eine Heil- und Pflegeanstalt gebracht. Wir wussten damals noch nicht, welches Schicksal ihnen bevorstand. - Die schwachsinnigen Männer waren gleich nach dem Eintreffen in Pirna in eine Heil- und Pflegeanstalt verbracht worden (Euthanasie)."

Mutterhaus Ariel in WolfshagenMärz/April 1940: Mutterhaus in Westpreußen. Der Vorstand des Diakonissenmutterhauses "Ariel" lädt die Stanislauer Schwestern zur Mitarbeit in die "Kinderkrüppelpflege und Erziehungsanstalt e.V." der Orthopädischen Heilanstalt in Wolfshagen, Bezirk Bromberg in Westpreußen ein. Tochter Martha Zöckler löst als Oberin die NSDAP-treue Vorgängerin ab; ein Großteil der Stanislauer Schwesternschaft folgt im September 1940 dem Ruf nach Wolfshagen. Theodor Zöckler versucht in Lissa/Proviz Posen Teile der Stanislauer Anstalten und seine alten Gemeindemitglieder zusammenzuhalten.

August 1941: Beginn der Judenverfolgung in Stanislau. Nur einen Monat nach der Eroberung Stanislaus durch ungarische Truppen am 2. Juli 1941 beginnen SS und GESTAPO die systematische Ausrottung der Juden in Stanislau.

Juden in Stanislau

1943: Stanislau ist "judenfrei". Das Ehepaar Zöckler besucht die Stadt. Ihre Tochter Charlotte schreibt: "Verbliebene Gemeindeglieder berichteten den Eltern von der Massenvernichtung der Juden, draußen vor der Stadt. Sie mussten zum Teil ihr Grab selbst schaufeln oder sie wurden verbrannt. Tagelang sah man die Flammen und spürte den Verwesungsgeruch. Seit dieser Reise war Papa nicht mehr der Glaubensheld. Er litt unsäglich."

21. Januar 1945: Die Flucht. (---> zum Bericht) Im Oktober 1944 gehören 27 Schwestern zum Diakonissenmutterhaus Ariel in Wolfshagen. Sie betreuen 81 Pfleglinge - Körperbehinderte, Kinder, Sieche. Nach dem Räumungsbefehl vor der anrückenden Roten Armee folgt eine dreiwöchtige Flucht mit Pferdewagen und Güterwagen nach Stade in Norddeutschland sowie nach Potsdam. Die Bewohner des Altersheims Kobissau überleben zum Teil den Einmarsch der Russen und werden im Juli 1945 von den Polen vertrieben.

Pastor Zöckler im Altenheim1. Oktober 1945: Stade: 29 Schwestern des Mutterhauses Ariel arbeiten jetzt im Pflegedienst des Städtischen Krankenhauses in Stade. Familie Zöckler und weitere Mitarbeiter haben sich nach Stade durchgeschlagen. 1946 begründet Sohn Martin Zöckler in drei Baracken ein Altenheim für 80 Füchtlinge. Er wird Vorsteher des Mutterhauses, seine Schwester Martha Oberin.

1946: Hilfskomitee. 1946 gründet Zöckler mit Unterstützung von früheren Vertrau­ensleuten das Hilfskomitee der Galiziendeutschen im Diakonischen Werk der EKD e. V. Der Verein gewährt den über ganz Deutschland verstreuten galiziendeutschen Flüchtlingen Hilfe, sofern sie sich in Not befanden. „Zunächst waren die Aufgaben seelsorgerliche, materielle und kulturelle Betreuung der über ganz Deutschland verstreuten Flüchtlinge, z. B. Besuchsdienst, Familienzusammen­führung, Hilfe bei Unterkunft, Beratung bei Auswanderungsabsicht usw.“ (Wikipedia)

Zöckler verschaffte als Superintendent seiner Kirche im In- und Ausland viel Aner­kennung. Persönlich erfuhr er große Wertschätzung auch unter den Ukrainern, so wurde er von einigen „Kyr Theodor“ genannt. Er starb 1949 unter großer Anteil­nahme galiziendeutscher Flüchtlinde. Sein Grab auf dem Stader Horstfriedhof ist erhalten.

1951: Göttingen: Die Weender Kaserne, 1944 von der SS als Kavallerie-Schule für die Ostgebiete eingerichtet, wird der Evang.-luth. Landeskirche von der Englischen Besatzungsmacht temporär für ein Evangelisches Krankenhaus zur Verfügung gestellt. Die Diakonissen in Stade werden nach Göttingen gerufen, ein Gestellungs­vertrag mit dem Krankenhaus geschlossen. Eine Krankenpflegeschule wird einge­richtet. Sie erwirbt sich schnell einen guten Ruf.

4 Kasernen in Göttingen-Weende

April 1961: Kauf von Haus III Das Mutterhaus erwirbt von der Bundesvermögensverwaltung für DM 531.000 Haus III mit Grund und Boden auf dem Gelände des Evangelischen Krankenhauses Weende (EKW), abzuzahlen in 20 Jahresraten mit 3% Verzinsung. Das Gebäude wird renoviert.

Schwesternausbildung um 19701952 bis 1978: Nach einer Periode des Auf­schwungs und der Etablierung einer Kranken­pflegeschule mit bis zu 100 Auszubildenden beginnen Nachwuchssorgen. Die Diakonissen scheiden aus Altersgründen aus dem Arbeitsleben aus. Das Mutterhaus kann nicht mehr als aktive Einrichtung fortgeführt werden. Junge Diakonissen müssen sich entscheiden: entweder als Diakonissen in ein befreundetes Mutterhaus nach Bremen gehen oder als Diakonische Schwestern des Kaiserswerther Verbandes in Göttingen bleiben.

Friedhof St. Petri

1977 ff: Das Mutterhaus wird zum Altenheim.
Die jüngeren Schwestern pflegen die alten und kranken Diakonissen bis an deren Lebensende. Pastor Langenbruch wird Klinikseelsorger und Mutterhaus-Vorstand. Zusammen mit der Diakonischen Schwester Maria Ankermann werden Pläne entwickelt, das Mutterhaus in ein Alten- und Pflegeheim umzuwandeln. Pastor Langenbruch Schwester Ankermann Ein Trägerverein wird gegründet, doch obwohl die Pläne schon sehr konkrete Formen annehmen, werden sie verhindert. Es bleibt bei einer kleinen Pflegeeinheit, die neben Diakonissen auch dem Mutterhaus nahestehende Menschen betreut.

31.12.1977: Kündigung des Gestellungsvertrages mit dem EKW. Im gegenseitigen Einvernehmen wird der Vertrag von 1951 zum Jahresende 1977 gekündigt.

1991: Hospiz! Durch einen Vortrag von Werner Rannenberg über die Hospiz-Bewe­gung in England angeregt, greift Pastor Langenbruch die Idee auf, unterstützt von der Oberin Hildegard Seidel. Ein Grundsatzpapier entsteht, ein "Arbeitskreis Hospiz" wird gegründet.

Pressespiegel

1992-95: Ambulantes Hospiz. Die Öffentlichkeitsarbeit beginnt: ein monatliches Hospiz-Forum wird veröffentlicht, in der Presse und in Gemeindebriefen berichtet, Veran­staltungen finden statt, der Verein wird Mitglied in der Hospiz Landesarbeits­gemeinschaft Niedersachsen e.V..

13 Ehrenamtliche lassen sich in einem dreivierteljährigen Seminar ausbilden. Die Begleitung von Sterbenden und ihren Angehörigen in deren Wohnungen beginnt, weitere Seminare finden statt, der Förderkreis hat mehr als 100 Mitglieder. Ausbildungsstätten und Schulen laden uns zu Informationsveranstaltungen ein. In Gruppenabenden erhalten Ehrenamtliche begleitende Unterstützung.

November 1995: Leiterin für das ambulante Hospiz. Dank einer zweimal verlänger­ten ABM-Maßnahme übernimmt die Sozialpädagogin Gabriele Junge mit einer halben Stelle die Leitung der Aus- und Weiterbildung der Ehrenamtlichen und die Koordination ihrer Einsätze.

stationäres Hospiz1996: Ein stationäre Hospiz wird eingerichtet. Mit Zuschüssen aus dem Innovationsfond der Landeskirche von DM 400 Tsd. und von 375 Tsd. aus dem Niedersächsischen Sozialministerium werden 1996 im Erdgeschoss des Mutterhauses Räume für ein stationäres Hospiz umgebaut. Ein großes Vermächtnis von DM 700 Tsd. sorgt für einige Zeit für die Deckung von Kosten des laufenden Betriebs, denn Patienten werden grundsätzlich ohne Eigenbeteiligung aufgenommen und die Krankenkassen übernehmen nur einen Teil der Kosten.

Beatrix Haan

2. April 1997: Eröffnung! Nach Hannover und Osnabrück wird in Göttingen ein drittes stationäres Hospiz in Niedersachsen, eröffnet, das "Hospiz an der Lutter". Seine Leiterin wird die Kranken­schwester Beatrix Haan. Zusammen mit einem Team von hoch qualifizierten, examinierten Pflegekräften und begleitenden Hausärzten werden Schwerkranke ohne Hoffnung auf Genesung liebevoll betreut. Die Göttinger Bevölkerung unterstützt das Vorhaben durch große Spendenbereitschaft. Die laufende Finanzierung wird zum großen Problem, denn der fortlaufende Betrieb muss sich über die Pflegeplätze selbst finanzieren.

1996-2014: Ambulantes Hospiz. Das Interessse in der Göttinger Bürgerschaft wächst. Es werden Fortbildungsseminare für Ehrenamtliche angeboten. Verträge mit den Krankenkassen werden geschlossen, die unter strengen Voraussetzungen (Forbildung der Leiterinnen) eine Erstattung der Kosten vorsehen. Eine zweite hauptamtliche Leitungsstelle kann eingerichtet werden.

Hospizgarten

1997-2004: Pionierphase. Hospiz- und Palliativ­bewegung beginnen sich in Deutschland zu etablieren. Das Göttinger Hospiz liegt „voll im Trend“. Die Bettenzahl wird von 5 auf 7 erhöht. Doch die Finanzierung der laufenden Kosten bleibt ein Dauerproblem. Die Arbeit kann nur durch Spenden und Vermächtnisse geleistet werden. - Der Garten des Diakonissen­mutterhauses wird neu gestalt - eine kleine Oase für Patienten und ihre Angehörigen.

Titelbild 10 Jahre Hospiz an der Lutter2002: Jubiläum! Zehn Jahre ambulantes und 5 Jahre stationäres Hospiz gibt Grund zum Feiern. In einer Broschüre (pdf-Datei: Klick auf das Bild) berichten über die Pionierphase Maria Ankermann (Chronik) und die Leiterinnen Gabriele Junge über das ambulante und Beatrix Haan über das stationäre Hospiz, gefolgt von Erfahrungsberichten der Patienten und ihrer Angehö­rigen. Vorangestellt sind Geleitworte von Landessuper­intendent Dr. Hinrich Buß, Dechant Norbert Hübner, Doris Werdelmann, Direktorin Pflegedienst, Dr. Dagmar Schlapheit-Beck, Sozialreferentin der Stadt, Gerda Graf, Vorsitzende Bundes-Arbeitsgemeinschaft Hospiz, Ronald Hoffmannbeck, Regionaldirektor AOK, Hans Münchberg, AOK-Geschäftsführer und Eberhard Gramsch, Vorsitzender Vorstand KV Niedersachsen.

2002. Verunsicherung durch Personalwechsel. Die Zahl der Diakonissen des Mutterhauses wird immer kleiner. Die verantwortliche Hausschwester Annemarie Pfetzing geht in den Ruhestand. Diakonin Anke Schrader wird eingestellt. Im Juni geht Pastor Langenbruch in den Ruhestand, Schwester Maria Ankermann zieht sich zurück. Hospizvorstand wird der Seelsorger des Krakenhauses Pastor Matthias Opitz.

2003: Krise des Mutterhauses. Der Versuch, in Kooperation mit einer Diakonie-Station eine Pflegeeinrichtung zu etablieren scheitert finanziell und organisato­risch. Die Mitarbeitenden werden entlassen, alle Bewohner (bis auf die Diakonissen) müssen verlegt werden. Großer Aufruhr in der Presse.

Kaufvertrag von 2003

9. Dezember 2003: Das EKW springt ein. Die Landeskirche stellt den jährlichen Zuschuss von € 60 Tsd. ein. Die Finanzsituation wird so prekär, dass das Evangelische Krankenhaus Weende dem Verein "Diakonissen-Mutterhaus Ariel (Zöcklersche Anstalten)" zu Hilfe kommt. In einem Grundstückskaufvertrag geht Haus III mit Grund und Boden an das EKW. In einem anschließenden Geschäftsführervertrag wird die Verwaltung des Vereins und seiner Angestellten sowie die Verfügung über sein Vermögen dem EKW übertragen.

Im Gegenzug verpflichtet sich das EKW, für die sechs verbliebenen Schwestern zu sorgen und "auch das Hospiz im Rahmen der gesetzichen Bestimmungen und der bestehenden vertraglichen Vereinbarungen zu erhalten". Mit dem Tod der letzten Schwester sollen Grund und Boden des Vereins aufgelassen werden.

2004: Veränderungen. Frau Werdelmann, Pflegedirektorin im EKW, übernimmt den Personalbereich. Sie und Herr Stollberg, im EKW für Finanzen zuständig, werden Geschäftsführer und übernehmen das operative Geschäft. Der Vereins­vorstand bleibt verantwortlich, kann aber nur noch indirekt Einfluss nehmen.

2004-2011: Zeiten der Stabilität, Zeiten der Unruhe. Pastor Matthias Opitz verlässt das EKW, Pastorin Anke Well wird neue Vorsitzende des Vereins. Gabriele Junge verlässt das ambulante Hospiz, neue Leiterin wird Klaudia Blume. Frau Werdelmann geht, ihr Nachfolger wird Herr Hußmann. Herr Bodenhagen geht, für die Hospiz­leitung gibt es Interimslösungen (Ludger Schelte, Torben Stolte, Beatrix Haan). Unruhe stiften wechselnde Pläne des EKW für einen Auszug des Hospizes nach dem geplanten Abriss von Haus III - Neubau? Umzug nach Lenglern? - Beruhigend: Das Mutterhaus bleibt stabil.

2011: Eröffnung der Ausstellung "Bleiben wenn andere gehen". Geschichte des Hospizes. Das 1992 gegründete Hospiz an der Lutter hat seine Ursprünge im Diakonissen Mutterhaus Ariel (Zöcklersche Anstalten) und nahm durch das Ambulante Hospiz seine Arbeit auf.

Ausstellungsraum im EKW

In zwei Räumen im 2. Stock des Mutterhauses ist die Geschichte der Diakonissen sehr anschaulich zu erleben. Dort gibt es eine umfassende Ausstellung, die auch ein Stück Zeitgeschichte ist. Ansprechpartnerin ist Ursula Roth (roth@ekweende.de).

Im Herbst 2017 soll das Gebäude abgerissen werden. Einige der Exponate sollen in Vitrinen im Haupthaus des EKW wandern. Alle ca. 200 Dokumente wurden von Peter Diepold in ein "Digitales Museum" überführt: die 11 Ausstellungsbereiche wurden fotografiert. Mit einem Klick auf jede der Beschreibungen, Fotos und Exponate werden diese in voller Auflösung auf dem Bildschirm gezeigt. ---> Digitales Museum

Titelblatt '60 Jahre Mutterhaus'

Von der Fliedner-Kulturstiftung Kaiserswerth wird eine Festschrift herausgegeben: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben (Joh. 15,5). 60 Jahre Diakonissenmutter­haus Ariel (Zöcklersche Anstalten) in Göttingen Weende - Rückblick und Ausblick".

2012: Aufbruchstimmung. Pastorin Well verlässt das EKW, Frau Haan kommt ehrenamtlich zurück und wird zusammen mit dem zurückgekehrten Pastor Opitz Vorsitzende des Verein. Für die Leitung des Stationären Hospizes kann Kranken­schwester Regina Bauer gewonnen werden.

2014/15: Krise als Chance. Das stetige Wachstum des ambulanten Hospizes führt zu strukturellen Problemen und Spannungen zwischen Leitung, Ehrenamtlichen, Geschäftsführung und Vorstand. Zwei Mitarbeiter verlassen das ambulante Hospiz, die Vakanz wird gemeistert. Mit Hilfe einer professionellen, weitgehend ehrenamt­lichen Beratung werden in kleinen Arbeitsgruppen Lösungen erarbeitet. Das Engagement der Ehrenamtlichen kehrt zurück.

2015: Wechsel in der Geschäftsführung. Herr Stollberg geht in den Ruhestand, Herr Hußmann wird alleiniger Geschäftsführer. Ein Umzug des Hospizes in das vom EKW erworbene Krankenhaus Neu-Maria-Hilf nahe der Innenstadt wird geplant.

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