Nachtdienst in der Osternacht

11. April

Um 22 Uhr läuten die Kirchenglocken in Göttingen. Einige Patienten haben die Fenster in ihrem Zimmer geöffnet. Es ist der Beginn der Osternacht in diesen besonderen Zeiten der Kontaktbeschränkungen. Unser wunderschöner Hospizgarten ist beleuchtet. Es gibt intensive Gespräche mit unseren Patienten über ihren Bezug zu Ostern. Nichts ist selbstverständlich in dieser Zeit der Corona-Pandemie.

In der Nacht hat eine Patientin Luftnot. Ich bleibe eine Weile bei ihr. Als die Medikamente zu wirken beginnen, erzählt sie mir von ihrer Zeit als Schwesternhelferin im Krankenhaus Neu-Mariahilf in der 1950er Jahren. Damals waren die meisten Krankenschwester hier Nonnen. Medikamente und Apparatemedizin war noch nicht in dem Maße vorhanden wie heute. Dafür nahm das Gespräch, die Fürsorge und die Zeit beim Patienten einen großen Raum in der Krankenpflege ein. Um die Seele der Patienten wurde sich gesorgt in einem konfessionellen Krankenhaus. Die Patientin meint, dass es bei uns ein bisschen so ist, wie sie es früher erlebt hat.

In der Morgendämmerung zünden meine Kollegin und ich eine Kerze an. Wir erinnern uns. Ständig kommt mir in den Sinn „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ – und die Worte von Jesus Christus, an die wir Christen glauben und die uns Trost und Hoffnung geben – auch und gerade im Hospiz.

Sylvia Hennemann

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