Ritual 2017

22. November 2017

In jedem Jahr im November treffen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um sich an die Menschen zu erinnern, die sie begleitet haben und die im letzten Jahr gestorben sind. Weil wir das Ritual in diesem Jahr zum letzten Mal in unseren alten Räumlichkeiten feiern, haben wir mit der Verabschiedung von diesem vertrauten Ort begonnen. Singend sind wir mit Kerzen durch die Flure und Treppenhäuser gezogen:

Wechselnde Pfade, Schatten und Licht
Alles ist Gnade, fürchte dich nicht.

Anschließend begann das eigentliche Ritual. Für jede teilnehmende Person stehen ein Gitterbackstein, Blumen und ein Teelicht zur Verfügung. Aus diesen Elementen gestalten wir ein Werk, das unsere Arbeit in einem symbolischen Bild sichtbar werden lässt. Zu jedem Element gibt es einen kurzen Text der Hoffnung aus dem alten bzw. neuen Testament.

Wir beginnen mit den Steinen. „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.“ Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer nehmen einen Stein in die Hand und lassen ihre Gedanken fließen. Jede Person interpretiert Symbol und Text, wie es ihr entspricht, in Stille, ohne drüber zu reden. Wenn die Gedanken zu einem gewissen Abschluss gekommen sind, wird der Stein in die Mitte gestellt. Es steht immer nur eine Person auf und platziert ihren Stein dort, wo es ihr richtig erscheint. Erst wenn diese Person wieder sitzt, steht die nächste auf. Auf diese Weise entsteht eine meditative Ruhe, und wir beobachten wie das ge­mein­same Werk langsam wächst.

Als nächstes nehmen wir Blumen und grüne Zweige in die Hand. „Aus einer verdorrten Wurzel, wächst ein grüner Zweig.“ Wir verfahren mit diesem Material ebenso wie mit den Steinen. Immer nur eine Person geht zur Mitte und steckt Blume und Zweig in die Löcher der Gitterbacksteine.

Als drittes Element nehmen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Teelicht in die Hand. „Das Volk, das im Finstern wandert sieht ein großes Licht.“ Eine Kerze wird an dem Licht in der Mitte angezündet und dann im Kreis weitergegeben. Wir bekom­men unser Licht von dem Licht, was immer schon da ist, und wir geben es weiter. Wir sind gleichzeitig Empfangende und Gebende. Wenn alle Teelichte brennen, werden sie wieder in die Mitte gestellt. Wir betrachten unser gemeinsames Werk und sind jedes Mal neu beeindruckt, was für ein wunderbares Ergebnis unser gemeinsames Tun ergibt. Nach dieser Rückbesinnung auf uns selbst und unsere Arbeit beginnt die eigentliche Erinnerungsarbeit.

Es werden weitere Kerzen angezündet. Einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer sagen etwas zu ihren Begleitungen. Z.B.“ Ich zünde diese Kerze für Frau S an. Über ein Jahr habe ich sie begleitet, erst zu Hause, dann hier im Hospiz. ….Sie war eine kritische Querdenkerin. Es war nicht immer einfach mit ihr. Aber ich habe viel von ihr gelernt und sie hat mein Leben reicher gemacht.“

Zum Schluss stehen wir auf und umkreisen unsere Mitte mit einem einfachen meditativen Tanz. In diesem Jahr haben wir das Ritual mit einem Lied beendet.

Gut ist es wo wir waren.
Gut ist es wo wir sind.

Heidemarie Adam

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